Beikost
Ihr Baby wächst und entwickelt sich in seinem ersten Lebensjahr rasant. Es ist neugierig und möchte lernen. Mit ungefähr einem halben Jahr fangen viele Kinder an, sich für das Essen der anderen zu interessieren. Sie sind jetzt auch so weit entwickelt, dass Sie lernen können, vom Löffel zu essen. Zeit, ihnen etwas anderes als nur Milch anzubieten. Die Fachwelt benennt das mit dem sperrigen Begriff “Beikost einführen”.
Das Ziel beim Essen lernen ist es, die Milchmahlzeiten nach und nach ganz zu ersetzen, bis Ihr Kind gegen Ende des ersten Lebensjahres dasselbe isst, wie die restliche Familie – eine gesunde, ausgewogene Mischkost.
Es ist alles möglich
Früher hieß es bei der Beikost-Einführung, “Sie müssen das unbedingt so oder so machen”. Heute ist das nicht mehr so streng. Sie können gerne Brei kochen, Sie dürfen Gläschen kaufen, Sie können aber auch den Brei auslassen und Ihr Kind direkt essen lassen.
Wichtig ist nur, darauf zu achten, dass:
- das Essen an die Zahnentwicklung Ihres Kindes angepasst ist
- das Essen für Ihr Baby ohne Salz und starke Gewürze und nicht zu süß ist
- Sie dabei sind und Ihr Kind beobachten, während es isst, damit Sie schnell reagieren können, falls es sich verschluckt.
Damit Sie wissen, was Sie dann tun müssen, sollten Sie sich schon vorher informieren und eventuell auch üben. Hier können Sie es sich anschauen:
Machen Sie sich keine Sorgen über das Essen.
Es ist wichtiger, dass das Essen für Ihr Baby und Sie eine angenehme, gemeinsame Zeit wird, als dass es ein bestimmtes Nahrungsmittel oder eine vorgegebene Menge isst. Vertrauen Sie darauf, dass Ihr Baby das richtig macht.
Wenn Ihr Baby weiterhin wächst und gedeiht und seine Windeln mit Urin und Stuhl voll sind, ist alles in Ordnung.
Erzwingen Sie nichts, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Probieren Sie es einfach am nächsten Tag wieder.
Das Essen von fester Nahrung ist ein großer Entwicklungsschritt für Ihr Kind. Es muss jetzt lernen, vom Löffel zu essen, statt zu saugen. Außerdem schmeckt das Essen nicht nur ganz anders als die Milch, es fühlt sich auch ganz anders im Mund und beim Schlucken an. So viele neue Erfahrungen für Ihr Baby.
Kleckern gehört dazu.
Falls Ihr Kind zu Anfang den Mund nicht öffnet, geben Sie ihm ein bisschen Brei auf die Lippen und lassen Sie es so probieren.
Viele Babys spucken die ersten Löffel Brei wieder aus oder würgen manchmal. Das ist ganz normal. Sie müssen sich erst an das Neue gewöhnen. Das braucht ein bisschen Zeit und Geduld.
Lassen Sie Ihr Kind das neue Essen sinnlich erfahren und ausgiebig mit Lippen, Mund und Händen erkunden, auch wenn es dabei alles bekleckert. Putzen sie erst hinterher. Auf diese Weise lernt Ihr Kind, dass Essen etwas Schönes ist.
Wenn Ihr Kind nach dem Löffel greift und ihn nicht wieder hergeben will, nehmen Sie einfach einen neuen Löffel für sich.
Ihr Baby weiß, wann es genug ist.
Falls Ihr Kind seinen Mund nicht mehr aufmacht und sich wegdreht, hören Sie mit dem Füttern auf.
Wann soll ich mit Beikost anfangen?
Frühestens wenn Ihr Baby fünf Monate alt ist, können Sie ihm, neben der Milch, zum ersten Mal Brei geben. Spätestens, wenn es ein halbes Jahr alt ist, sollten Sie damit beginnen.
Fangen Sie mit den ersten Löffeln Brei am besten mittags an. Zu einer Zeit, in der Ihr Kind noch nicht zu hungrig und auch nicht müde ist. Im Gegensatz zum Stillen und Füttern mit der Flasche ist es wichtig, dass Ihr Baby (mit Ihrer Hilfe) aufrecht sitzt.
Geben Sie Ihrem Kind erst mal nur 1 oder 2 Löffel Brei und anschließend stillen oder füttern Sie es mit seiner gewohnten Fertigmilch. Nach und nach können Sie ihm mehr Brei geben und die Milch immer weiter reduzieren.
Für die Gesundheit und Entwicklung Ihres Babys ist es völlig egal, ob Sie seine Breie selbst kochen oder ob Sie ihm industriell hergestellte Breie geben. Machen Sie das so, wie es gut in Ihren Alltag passt. Beides hat Vor- und Nachteile.
Falls Sie Ihr Baby nur mit selbstgekochten Breien füttern, ist es wichtig, ihm täglich zusätzlich Jod zu geben. Bitte fragen Sie uns danach.
Ab 5. - 7. Monat Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei
Wenn Sie mit Brei anfangen, geben Sie Ihrem Baby zuerst 1 – 2 Löffel gekochtes, fein püriertes Gemüse – zum Beispiel Karotte, Kürbis, Pastinake, Fenchel, Blumenkohl, Brokkoli, Kohlrabi oder Zucchini. Wenn Sie selbst kochen, können Sie auch Tiefkühlgemüse verwenden.
Nach den ersten Löffeln geben Sie Ihrem Kind noch so viel Milch, bis es satt ist.
Steigern Sie die Menge des Gemüsebreis nach und nach, bis Ihr Kind 100 g davon isst.
Jetzt können Sie zuerst eine gekochte Kartoffel und 1 EL Rapsöl (möglich sind auch Sojaöl, Sonnenblumenöl oder Maiskeimöl) zum Gemüsebrei dazugeben und etwas später dann 30 g mageres Fleisch. Als Nachtisch gibt es für Ihr Baby entweder 1,5 EL Obstsaft oder Obstpüree.
Bieten Sie Ihrem Baby unterschiedliche Gemüsesorten an. Statt Kartoffeln können Sie ihm auch mal Nudeln, Reis oder andere Getreidesorten geben. Ersetzen Sie das Fleisch ein bis zwei Mal in der Woche durch grätenfreien Fisch.
Wenn Ihr Baby etwas ausspuckt, das sie ihm zum ersten Mal geben, dann heißt das nicht, dass es den Geschmack nicht mag. Das ist oft nur eine Reaktion auf das Ungewohnte. Bieten Sie ihm denselben Geschmack in den nächsten Tagen immer wieder an. Erst, wenn Ihr Baby das Nahrungsmittel nach acht Tagen immer noch ausspuckt, können Sie davon ausgehen, dass es den Geschmack momentan nicht mag. In ein paar Monaten könnte das aber schon wieder anders sein, denn Geschmack braucht manchmal Zeit, um sich zu entwickeln. Probieren Sie es dann ruhig noch einmal.
Selbstgekochten Brei oder einzelne Komponenten davon, können Sie problemlos einfrieren. Eiswürfelbereiter eignen sich gut dafür.
Nach einem Monat sollte die ganze Mittagsmahlzeit durch Brei ersetzt sein, so dass sie Ihr Baby danach nicht mehr mit Milch füttern müssen.
Ab 6. - 8. Monat Vollmilch-Getreide-Obst-Brei
Als nächstes können Sie die Milchmahlzeit vom Nachmittag oder Abend durch einen Vollmilch-Getreide-Obst-Brei ersetzen.
Wenn Sie ihn selbst kochen, können Sie dafür pasteurisierte und ultrahocherhitzte oder länger frische Vollmilch oder H-Milch mit 3,5 % Fett oder Säuglingsmilch hernehmen.
So können Sie ihn selbst kochen:
Rühren Sie 20 g Vollkorngetreideflocken (zum Beispiel Grieß, zarte Haferflocken oder Vollkornflockenprodukte für Säuglinge) in 200 ml kalte Milch. Einmal aufkochen und dann ungefähr drei Minuten weiterköcheln lassen. 2 EL Obstsaft oder Obstpüree dazugeben. Dafür eignen sich zum Beispiel Äpfel, Birnen, Aprikosen, Nektarinen oder Pfirsiche gut. Bananen enthalten viel Zucker. Um Ihr Baby nicht zu sehr an süßen Geschmack zu gewöhnen, ist es sinnvoll, nur ganz wenig Banane mit anderem Obst gemischt zu geben.
Pro Breimahlzeit reichen eine Getreidesorte und eine Obstsorte.
Wenn Sie lieber fertigen Vollmilch-Getreide-Obst-Brei bevorzugen, ist es gut, auf die Zutatenliste zu achten. Die Zusammensetzung sollte so ähnlich wie beim selbstgekochten Brei sein. Also wenig Zutaten und vor allem keine weiteren Zusätze wie Schokolade, Aromen oder zu viel Süßungsmittel enthalten. Auch extra Zusätze von Vitaminen, Mineralstoffen oder Milchsäurebakterien sind nicht nötig für Ihr Baby.
Nur der Zusatz von Jod, als Kaliumjodid oder Kaliumjodat, ist sinnvoll.
Bitte rühren Sie die Milchfertigbreie nur mit Wasser und nicht mit Milch an.
Ab 7. - 9. Monat Getreide-Obst-Brei
Ungefähr einen Monat nach Einführung des Vollmilch-Getreide-Obst-Breis ist es Zeit, eine dritte Milchmahlzeit durch einen milchfreien Getreide-Obst-Brei zu ersetzen. Dafür bietet sich der Nachmittag an, weil diese Mahlzeit nicht so lange satt macht, wie der Milch-Getreide-Brei.
So bereiten Sie ihn selbst zu:
20 g Vollkorngetreideflocken für Säuglinge (ohne Zuckerzusatz) in kaltes Wasser rühren. Einmal aufkochen und ungefähr drei Minuten weiterköcheln lassen. 100 g zerdrücktes, fein geriebenes oder püriertes Obst und 1 TL Rapsöl unterrühren.
Sie können frisches Obst oder auch erhitztes Tiefkühlobst oder industriell hergestellte Obstgläschen ohne Zuckerzusätze verwenden. Süße Bananen sollten Sie nur in ganz kleinen Mengen und gemischt mit nicht so süßem Obst verwenden.
Auch bei diesem Brei sind jeweils eine Getreidesorte und eine Obstsorte ausreichend.
Wenn Sie lieber einen fertigen Brei im Gläschen verwenden, achten Sie bitte auch hier wieder darauf, dass die Zutaten dem selbstgekochten Getreide-Obst-Brei so ähnlich wie möglich sind. Falls kein Fett enthalten ist, können Sie selbst Rapsöl zugeben.
Vegetarischer Brei
Sie sind selbst Vegetarier und wollen Ihr Baby deshalb lieber vegetarisch ernähren?
Dann können Sie Ihrem Kind statt des Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Breis, der im 5. – 7. Lebensmonat eingeführt wird, einen vegetarischen Gemüse-Kartoffel-Getreide-Brei aus folgenden Zutaten kochen: 100 g Gemüse, 50 g Kartoffeln/Nudeln/Reis, 2-3 EL Wasser, 10 g zarte Haferflocken, 3,5 EL Vitamin-C-reicher Saft, 1 EL Rapsöl.
Bitte geben Sie keinesfalls Milch in diesen Brei, weil sie die Eisenverfügbarkeit vermindert.
Für Ihr Baby gelten im ersten Lebensjahr dieselben Ernährungsempfehlungen wie für nicht vegetarisch ernährte Babys. Wichtig ist, dass Sie anderweitig auf eine ausreichende Versorgung mit Eisen achten, wenn Sie den Eisenlieferanten Fleisch weglassen. Wir empfehlen Ihnen, fünf Mal pro Woche eisenreiche Kost zu geben.
Von veganer Ernährung im Säuglingsalter raten die Ernährungsfachgesellschaften dringend ab. Auch während der Stillzeit birgt vegane Ernährung ein großes Risiko eines Nährstoffmangels für Sie und Ihr Kind. Wenn Sie sich trotzdem vegan ernähren wollen, sollten Sie sich von einer qualifizierten Ernährungsfachkraft bezüglich Nährstoffergänzung beraten lassen.