Einnässen – Enuresis
Mit ungefähr vier Jahren können die meisten Kinder ihre Blase tagsüber kontrollieren. Im Alter von fünf Jahren sind die meisten auch nachts trocken.
Wenn ältere Kinder nachts oder tagsüber noch einnässen, ist das für sie und ihre Eltern oft ein großes, schambesetztes Problem. Dabei ist das gar nicht so ungewöhnlich. Ungefähr zehn Prozent der Siebenjährigen machen nachts noch ins Bett (Enuresis nocturna). Tagsüber sind zwei bis drei Prozent in dem Alter noch nicht trocken (Harninkontinenz).
Einnässen kann auch zusammen mit Einkoten vorkommen.
Für Eltern ist es wichtig zu wissen: Das Einnässen ist keine Krankheit, sondern ein Symptom, das häufig vorkommt.
Woran erkenne ich Einnässen?
- Kinder über fünf Jahren machen während des Schlafens (nachts oder mittags) noch oder wieder ins Bett
- Ihr Kind macht tagsüber Pipi in die Hose, während es wach ist
Muss mein Kind zum Arzt?
Vereinbaren Sie einen Termin bei uns.
Sie helfen uns sehr, wenn Sie im Vorfeld für 48 Stunden lang ein Trink- und Toilettenprotokoll führen. Schreiben Sie dazu auf, wann und wieviel Ihr Kind trinkt, sowie Zeit und Urinmenge bei jedem Toilettengang. Dazu fangen Sie den Urin in einem Gefäß auf und messen die Menge. Notieren Sie auch, ob Ihr Kind Urindrang hat, versucht den Urin zu halten oder ob es beim Wasserlassen presst.
Wir machen einen Urinprobe und klären mit einer Ultraschalluntersuchung ab, ob bei Ihrem Kind noch Restharn in der Blase ist, nachdem es auf der Toilette war.
Falls sich bei unseren Untersuchungen herausstellt, dass Ihr Kind fachärztliche Hilfe braucht, überweisen wir Sie zum Kinder-Urologen.
Was kann ich selbst tun?
Üben Sie keinen Druck auf Ihr Kind aus. Bleiben Sie geduldig mit ihm und stärken Sie sein Selbstvertrauen.
Nässt Ihr Kind tagsüber und nachts ein, behandeln wir zuerst das Einnässen tagsüber.
Wenn Ihr Kind tagsüber einnässt
Führen Sie einen Toilettenkalender, in dem Sie aufschreiben, wie oft Ihr Kind am Toilettentraining teilnimmt und nicht, wie oft es trocken ist oder einnässt. Belohnen Sie Ihr Kind dafür, dass es mitmacht und nicht dafür, dass es trocken bleibt.
Es ist wichtig, dass Sie keinen Zwang auf Ihr Kind ausüben.
- So funktioniert das Toilettentraining: Schicken Sie Ihr Kind 3 - 5 Mal am Tag zu festen Zeiten auf die Toilette und lassen Sie es dort für fünf Minuten sitzen. Mithilfe einer Stoppuhr oder bei kleineren Kindern einer Sanduhr, kann Ihr Kind selbst sehen, wie lange es noch dauert. Wichtig ist es, dass sich Ihr Kind dabei wohlfühlt. Sorgen Sie für einen kindgerechten Toilettensitz und eine angenehme Raumtemperatur. Ein kleiner Hocker unter den Füßen trägt zum entspannten Sitzen bei. Ihr Kind darf gerne dabei lesen oder ein Buch anschauen.
- Machen Sie mit Ihrem Kind regelmäßig Beckenbodentraining. Hier finden Sie ein Video mit Anleitungen.
Wenn Ihr Kind nachts ins Bett macht
- Bieten Sie Ihrem Kind tagsüber ausreichend zu trinken an (1000 bis 1500 ml) und reduzieren Sie die Trinkmenge am Abend
- Führen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind einen Kalender über trockene Nächte
- Schicken Sie Ihr Kind tagsüber regelmäßig zur Toilette
- Lassen Sie Ihr Kind vor dem Schlafengehen nochmal auf die Toilette gehen, aber wecken Sie es nachts nicht!
- Machen Sie mit Ihrem Kind Beckenbodentraining
- Eventuell kommt eine Klingelmatte in Betracht
Was sind die Ursachen?
Für Einnässen gibt es unterschiedliche Ursachen. Manchmal hat es mit familiärer Vererbung zu tun, manchmal mit erlerntem Verhalten, manchmal mit körperlichen Ursachen, manchmal kommt es beim Husten, Niesen oder sogar Lachen vor, manchmal hängt es mit ADHS oder anderen psychischen Problemen zusammen.
Kinder, deren Eltern eingenässt haben, haben ein erhöhtes Risiko, auch einzunässen.
Harninkontinenz ist oft eine Folge davon, dass Kinder so vertieft in ihr Spiel sind, dass sie einfach nicht spüren, dass sie pieseln müssen. Oder sie wollen ihr Spiel nicht unterbrechen und zögern den Toilettengang raus bis es dann zu spät ist und sie es nicht mehr rechtzeitig auf die Toilette schaffen.
Als körperliche Ursachen kommen zum Beispiel ein Hormonmangel, eine Störung des Blasenschließmuskels oder eine zu enge Harnröhre in Betracht.
Manchmal ist auch ein Harnwegsinfekt für das Einnässen verantwortlich.
Hat Ihr Kind Verstopfung kann der Darminhalt auf die Blase drücken und dadurch zu einer Harninkontinenz führen.