Allergien
In den letzten Jahren haben Allergien stark zugenommen. Jeder Dritte in Deutschland reagiert auf irgendetwas allergisch.
Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem des Körpers über und bekämpft eigentlich harmlose Eindringlinge von außen. Die häufigsten Allergene sind Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare und verschiedene Nahrungsmittel.
Allergien können in allen Altersstufen auftreten. Bei Babys im ersten Lebensjahr sind sie allerdings selten.
Woran erkenne ich eine Allergie?
Es gibt unterschiedliche allergische Reaktionen. Solche, die sofort nach dem Kontakt mit dem Allergen auftreten, sogenannte allergische Sofortreaktionen vom Typ 1. Und solche, die erst Stunden oder sogar Tage später nach dem Kontakt auftreten, sogenannte verzögerte Spätreaktionen vom Typ 4.
Mögliche Allergie Symptome sind:
- Im Magen-Darm-Trakt: Bauchschmerzen, Blähungen, Erbrechen, Durchfall
- An den Atemwegen: Laufende oder verstopfte Nase, Niesen, Heiserkeit, Atembeschwerden, pfeifendes Geräusch beim Ausatmen, Husten, vermehrte Schleimproduktion in den Bronchien
- Im Herz-Kreislauf-System: Kribbeln an Händen und Füßen, Hitzegefühl, gerötetes Gesicht, schneller Puls, niedriger Blutdruck, Schwindel, Ohnmacht
- An der Haut: Jucken, Brennen, rote oder nässende Flecken, Pusteln, Quaddeln (sogenannte Nesselsucht), Schwellungen
- An den Augen: Tränende, rote Augen, Gefühl von Sandkörnern im Auge, Lidschwellung
Je schwerer eine Allergie ist, desto mehr Körperteile reagieren auf das Allergen. Wenn Ihr Kind zwei oder mehr Symptome an verschiedenen Körperteilen zeigt und dazu noch Atemnot bekommt oder ohnmächtig wird, ist das ein Warnzeichen für einen Allergieschock. Ärzte sprechen von einem anaphylaktischen Schock.
Muss mein Kind zum Arzt?
Rufen Sie sofort den Notarzt bei einem Allergieschock. Sie erkennen ihn an Ganzkörperausschlag, Atemnot oder Bewusstseinsveränderung.
Bitte vereinbaren Sie auf jeden Fall einen Termin bei uns, wenn Sie bei Ihrem Kind eine Allergie vermuten.
Sie helfen Ihrem Kind und uns sehr, wenn Sie im Vorfeld ein Allergie-Tagebuch führen. Notieren Sie mit Datum und Uhrzeit die Symptome Ihres Kindes, wann sie aufgetreten sind, wann sie sich verbessert oder verschlechtert haben. Schreiben Sie dazu alles auf, mit dem Ihr Kind in Berührung gekommen ist oder was es gegessen hat und was möglicherweise als Allergieauslöser in Frage kommt. Hilfreich ist es auch, den Aufenthaltsort Ihres Kindes zu notieren.
Neben Ihren Beobachtungen, die wirklich sehr wichtig sind, gibt es verschiedene Allergie-Tests, die ebenfalls dabei helfen, herauszufinden, ob Ihr Kind eine Allergie hat und worauf es allergisch reagiert. In unserer Praxis führen wir dazu Pricktests auf der Haut und Bluttests durch.
Wir beraten Sie, wie Sie Allergiesymptomen bei Ihrem Kind vorbeugen können und verschreiben Ihnen gegebenenfalls ein Notfallmedikament.
Bei manchen Allergien besteht die Möglichkeit einer Desensibilisierungsbehandlung beim Allergologen. Dabei erhält Ihr Kind unter ärztlicher Aufsicht(!) eine kleine Menge des Allergens, damit sich sein Körper dran gewöhnt. Bei dieser Behandlung bekommt Ihr Kind Spritzen, deshalb empfehlen wir es eher für ältere Kinder.
Was kann ich selbst tun?
Wenn Ihr Kind eine schwere Allergie oder schon mal einen allergischen Schock hatte, ist es wichtig, dass Sie immer das Notfall-Set dabeihaben!
Es ist wichtig, dass Ihr Kind den Kontakt zu seinen individuellen Allergieauslösern, so gut es geht, vermeidet. Dadurch können die Symptome ganz verschwinden.
Bei Tierhaaren oder Nahrungsmitteln ist das relativ einfach. Bei Pollen oder Hausstaubmilben leider nicht. Da geht es darum, alles zu tun, um den Kontakt so gering wie möglich zu halten.
Schutz vor Pollen:
- Halten Sie die Fenster an Tagen mit starkem Pollenflug geschlossen.
- Lüften Sie morgens, wenn Sie in der Stadt wohnen.
- Im Baumarkt gibt es Pollenschutzgitter für die Fenster.
- Bei starkem Pollenflug sollte Ihr Kind körperliche Belastung draußen vermeiden.
- Vermeiden Sie Aufenthalte in der Nähe von Getreidefeldern oder blühenden Wiesen.
- Ziehen Sie Ihr Kind nicht in dem Zimmer aus, in dem es schläft und waschen Sie seine Kleidungsstücke möglichst gleich.
- Wenn Ihr Kind draußen war, waschen Sie seine Haare bevor es ins Bett geht und duschen Sie es eventuell auch.
- Verwenden Sie einen Staubsauger mit Mikrofilter und wischen Sie häufig feucht.
- Hängen Sie keine Wäsche draußen auf.
- Wenn Sie viel mit dem Auto unterwegs sind, könnte der Einbau eines Pollenfilters hilfreich sein.
- Machen Sie am Meer oder im Hochgebirge Urlaub, dort fliegen weniger Pollen.
- Manche Pollenallergiker reagieren auch auf Nahrungsmittel allergisch.
Schutz vor Hausstaubmilben:
- Achten Sie auf geringe Luftfeuchtigkeit in Ihrer Wohnung (unter 50 %). Häufiges Lüften hilft.
- Vermeiden Sie Teppichböden und ersetzen Sie sie durch glatte Bodenbeläge.
- Vermeiden Sie Staubsaugen in Anwesenheit Ihres Kindes und verwenden Sie einen Staubsauger mit Mikrofilter. Saugen Sie häufig.
- Verzichten Sie auf Staubfänger im Kinderzimmer (Bücher und Deko in Regalen, Kuscheltiere, Vorhänge).
- Natürlich darf Ihr Kind ein Kuscheltier haben. Wichtig ist, es regelmäßig zu reinigen. Dazu packen Sie es am besten in eine Plastiktüte und stecken es 24 Stunden in die Tiefkühltruhe. Danach können Sie die Milben und deren Kot ganz einfach lauwarm auswaschen.
- Tauschen Sie Matratzen aus, die älter als acht Jahre sind.
- Verwenden Sie milbendichte Bezüge für Matratze und Bettzeug. Dafür stellen wir Ihnen gerne ein Rezept aus.
- Verwenden Sie nur Bettwäsche, Kissen und Bettdecken, die mindestens bei 60 Grad waschbar sind und waschen Sie sie einmal wöchentlich. Oder verwenden Sie milbendichte Bezüge und waschen Sie diese.
- Saugen oder Dampfreinigen Sie Polstermöbel häufig. Reinigen Sie sie außerdem regelmäßig mit Mitteln, die gegen Milben wirken, sogenannte Akarizide. Die bekommen Sie in der Apotheke.
- In der Apotheke bekommen Sie auch Teststreifen, mit denen Sie feststellen können, welche Einrichtungsgegenstände besonders stark von Milben befallen sind.
Bei Nahrungsmittelallergien:
- Lassen Sie die Nahrungsmittel weg, auf die Ihr Kind allergisch reagiert.
- Lesen Sie bei Fertignahrungsmitteln genau die Zutatenliste durch. Manchmal können schon kleinste Spuren eine allergische Reaktion auslösen.
Das können Sie noch tun:
- Waschen Sie Kleidungsstücke vor dem ersten Tragen, um Chemikalien zu entfernen.
- Vermeiden Sie die Neuanschaffung von fell- oder federtragenden Haustieren.
- Vermeiden Sie Tabakrauch in der Nähe Ihres Kindes.
Was sind die Ursachen?
Bei einer Allergie verhält sich der Körper auf eine ähnliche Weise wie beim Kontakt mit Viren. Er bildet Antikörper und reagiert mit einer Entzündung.
Nach einem erstmaligen Kontakt mit einem Allergen bildet der Körper mancher Menschen bei einer Typ-1-Allergie Abwehrstoffe. Sogenannte IgE-Antikörper, die genau auf die Struktur des Allergens passen. Ein Großteil der IgE-Antikörper sammelt sich auf Mastzellen. Das sind Zellen, die zu den weißen Blutkörperchen zählen und für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig sind.
Haben die Betroffenen ein weiteres Mal mit dem Allergen Kontakt, verbindet sich das Allergen mit dem IgE-Antikörper. Das löst die Freisetzung von Entzündungsstoffen aus der Mastzelle aus, vor allem sogenannter Histamine. Was dann zu den unterschiedlichen Symptomen führt.
Warum das Immunsystem bei einigen Menschen so überreagiert, ist bis heute nicht geklärt. Sicher ist eine genetische Ursache. Kinder von Allergikern haben eine hohe Wahrscheinlichkeit, auch an Allergien zu erkranken. Daneben scheinen Stress, Tabakrauch, übertriebene Hygiene und Umweltfaktoren, wie zunehmende Feinstaubbelastung und Klimawandel eine Rolle zu spielen.